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Neuer Abschnitt

Der Marktforscher Martin Thöring dachte sich Umfragen und Interviews aus, jahrelang. Wie funktionierten seine Manipulationen - und wie lebt es sich damit? Porträt eines ehrlichen Betrügers.

Die Polizei hat ihn mehrfach vernommen, seine Akte liegt seit Monaten bei der Staatsanwaltschaft. Mehr ist bislang nicht passiert. Er lächelt sanftmütig, das macht er oft, und verschränkt die Arme über dem Bauch. Thöring erzählt, wie er in der Marktforschungsbranche Karriere machte, leitende Positionen bei mehreren Firmen einnahm.

Es ist schwer zu greifen, wie und warum es so weit kam. Wenn Martin Thöring über sein Leben und seine Karriere erzählt, wirkt er mal wie ein gescheitertes Genie, mal wie ein gewiefter Kleinkrimineller, mal wie ein verträumter Idealist.

Immer wieder hebt er hervor, dass er weiterhin an gute und aussagekräftige Marktforschung glaube - eine, die der Gesellschaft echte Erkenntnisse und wirkliche Fortschritte bringen könne.

Das könnte er einfach so behaupten, zum Schutz oder als Selbstbetrug, um noch guten Gewissens in den Spiegel schauen zu können. Aber diesem sanft lächelnden Westfalen glaubt man das, irgendwie. Thöring erzählt, wie er in jüngster Zeit mit einem Kollegen ein ganz eigenes System ausgeklügelt habe.

Lange Interviews, offene Fragen, keine vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, detaillierte Auswertungen aller Ergebnisse. Das wäre sehr teuer. Lesen Sie hier , welche Bedeutung Marktforschung in Deutschland hat. Mit ebenso viel Verve schildert Thöring, wie er in den vergangenen zwei Jahrzehnten das betrügerische System nicht nur für sich nutzte, sondern auch immer weiter ausbaute, perfektionierte.

Um trotzdem davon leben zu können, trainierte sich Thöring nach eigenen Angaben verschiedene Handschriften und Unterschriften vermeintlicher Interviewer an. Thöring feilte an dieser Methode unentwegt, lernte aus kleineren Fehlern, rüstete technisch nach, so erzählt er es. Irgendwann baute er den Keller unter dem Haus aus, um dort in Ruhe und zu jeder Tageszeit fummeln zu können - einer seiner Auftraggeber habe ihn darum gebeten, behauptet er.

Manchmal standen demnach mehrere Computer nebeneinander, an jedem hing ein Zettel mit den Daten des vermeintlich Interviewten: So konnte er die Antworten mehrerer Probanden gestaffelt eingeben und auf diese Weise die Produktion steigern.

Je ausgeklügelter das System wurde, desto seltsamere Blüten trieb es: Sie schütteten literweise Cola in den Abfluss, die eigentlich echte Testpersonen hätten trinken und bewerten sollen. Irgendwann häuften sich laut Thöring für Probanden gedachte Duschlotions, Fischfilets und sogar Kaffeemaschinen. Thöring seufzt tief, wenn er darauf angesprochen wird. Aber auf andere Weise hätte er seine achtköpfige Familie nicht ernähren können, mit echter Marktforschung sei das unmöglich.

Verantwortlich, darauf besteht er, seien auch seine Auftraggeber: Ist Martin Thöring ein profitgieriger Betrüger? Oder Opfer eines kaputten Systems, das ihn für sich zu nutzen wusste?

Auf jeden Fall haben ihn die vergangenen zwei Jahrzehnte verändert. Irgendwann habe er den Druck nicht mehr ausgehalten, sagt Thöring: Den Idealismus, mit dem er einst durch Zehlendorf streifte, hat er trotzdem nicht verloren: Er träumt davon, mit einer betrugssichereren Erhebungsmethode eines Tages einen Neuanfang zu wagen.

Wie Martin Thöring sich Umfragen ausdachte. Wie Marktforschung funktioniert - theoretisch. Dabei kann es um die gesamte Bevölkerung in Deutschland gehen oder auch nur um Menschen in Schleswig-Holstein oder - noch spezieller - Autofahrer aus Westdeutschland, die schon mal einen Glasschaden hatten. Das Problem ist dabei immer dasselbe: Man kann nicht jedes einzelne Gruppenmitglied befragen.

Kontrollen der libyschen Küstenwache sorgen dafür, dass Schlepper immer seltener Menschen aus Nordafrika nach Italien bringen. Dafür erhöhen sich die Zahlen in anderen Ländern am Mittelmeer. Die polnischen Behörden haben nach dem Tod von fünf jährigen Mädchen in einem Escape-Room erste Konsequenzen gezogen. Der 28 Jahre alte Betreiber wurde festgenommen, 13 ähnliche Stätten geschlossen. Sein Vater vermutet, dass er von Sicherheitsbehörden festgehalten wird.

Das Auswärtige Amt hat sich eingeschaltet. In einem Interview warb sie für den Brexit. Entsprechende Anträge sind vielerorts stark gestiegen. Afghanistan ist reich an Bodenschätzen. Immer wieder schürfen Bewohner selbst illegal nach Gold und Edelsteinen. Beim Einsturz eine Mine kamen mehr als 30 Menschen ums Leben. Der Ton zwischen China und Taiwan hat sich erneut verschärft: Peking droht - Taipeh bittet um internationale Hilfe.

Warum ist die Beziehung so kompliziert? Steffen Wurzel erklärt es. Vier Springen, vier Siege: Die Plätze zwei und drei in der Gesamtwertung gehen an deutsche Springer. Wir bedanken uns bei 11,2 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern, die unsere Uhr-Ausgabe der Tagesschau gesehen haben.

Dies entspricht einem Marktanteil von 38,2 Prozent. Wie sah die Welt vor 20 Jahren aus? Welche Themen bestimmten die politische Debatte? Die Tagesschau bietet einen Einblick in die jüngere Zeitgeschichte. Was ist gerade wichtig und warum? Chatbot Novi fasst die Nachrichten zusammen. Auch in Deutschland können Verbraucher jetzt gebündelt ihre Rechte einklagen.